Was die Audit Reform in der Schweiz bewirkt

Handelszeitung, Wirtschaftsprüfung - 16.10.2014

Abschlussprüfung Die Neuerungen in der EU strahlen auf das Nichtmitgliedsland aus. Offen bleibt, ob sich die Schweiz dem europäischen Framework annähert oder ob sie eine Insellösung anstrebt.

Als Antwort auf die Auswirkungen der Finanzkrise verabschiedete das Europäische Parlament im April 2014 die EU Audit Reform. Die Reform verfolgt das Ziel, die Transparenz und das Vertrauen in die Abschlussprüfung zu erhöhen, mögliche Interessenkonflikte zu beseitigen sowie mehr Wettbewerb auf dem übermässig konzentrierten Markt der Wirtschaftsprüfer zu fördern. Die Kernelemente der Reform umfassen eine europaweit einheitliche Stärkung des Prüfungsausschusses (siehe Kasten), die verpflichtende Rotation der Prüfungsgesellschaft, die verschärfte Trennung von Prüfung und Beratung sowie die Bereitstellung einer Aufsicht. Die obligatorische Rotation bestärkt die Public Interest Entities (PIE), ihren Wirtschaftsprüfer zu wechseln, um den Verlust der Objektivität zu verhindern. Diese Vorgabe war bereits vor der Reform in einzelnen Ländern der EU in Kraft. Jedoch kann die Rotation über kurze Zeiträume gefährlich sein und zu einer Standardisierung der Abschlussprüfung und zu einer noch stärkeren Konzentration des Marktes führen. Eine Rotation über länger definierte Zeiträume ist ein wohlüberlegter und angemessener Ansatz. Dieser schafft einen offenen, innovativen und diversifizierten Markt und somit eine bessere Governance-Struktur und eine erhöhte Prüfungsqualität.

Joint Audit

Ein weiterer Anreiz für die Sicherung der Unabhängigkeit wird mit der Einführung des Joint Audit geschaffen, eines zurzeit bei uns noch wenig bekannten Systems. Es ist der einzige Mechanismus, welcher nachweislich die Unabhängigkeit und Qualität sicherstellt. Die wesentlichen Merkmale sind:

  • Die Prüfung wird von zwei oder mehreren Wirtschaftsprüfungsgesellschaften durchgeführt. Der Prüfbericht wird gemeinsam unterzeichnet.
  • Die Prüfungsplanung wird gemeinsam vereinbart und die Prüfarbeit so aufgeteilt, dass keine Doppelspurigkeiten entstehen.
  • Die durchgeführte Prüfarbeit wird jeweils vom anderen Joint-Prüfer überprüft (Vier-Augen-Prinzip).
  • Die Joint-Prüfer besprechen gemeinsam die kritischen Punkte des Prüfkunden und rapportieren gemeinsam dem Management, dem Audit Committe und seinen Aktionären.

Prüfungsausschuss

Wichtigere Rolle für die Mitglieder

ReformDurch die Stärkung des Prüfungsausschusses von Public Interest Entities (PIE) kommt deren Mitgliedern eine wichtige Rolle zu, da sie aktiv zur Zielerreichung der Reform beitragen können. Dies führt wiederum zu mehr Sicherheit für die Interessenvertreter. Zu den Hauptaufgaben gehören:

  • Minimierung von Interessenkonflikten durch regelmässige Überprüfung der Beratungsleistungen, welche durch den Abschlussprüfer erbracht werden.
  • Gewährleistung der Objektivität durch Sicherstellung der Unabhängigkeit ihrer Mitglieder im Prüfungsausschuss sowie der externen Revisionsstelle.
  • Weniger Marktkonzentration der dominanten Prüfungsgesellschaften durch faire und transparente Ausschreibungsverfahren.
  • Intakte Überwachung und besseres Verständnis durch offene Kommunikation mit den Wirtschaftsprüfern und den Interessenvertretern des Unternehmens.

Entscheidet sich die Firma für einen Joint Audit, verlängert sich die Rotationspflicht gemäss der Reform von 10 auf 24 Jahre. Dadurch werden die Risiken einer kurzen Rotationsdauer eliminiert und gleichzeitig die Unabhängigkeit gesichert. Joint Audits fördern zudem den Wettbewerb auf dem Markt der Wirtschaftsprüfer und entschärfen die Gefahr der Dominanz grosser Anbieter. Der Joint Audit hat seine Bedeutung, seine Effizienz und seine Vorteile bei der Branchenerfahrung in der Vergangenheit bewiesen. Die Praxis hat auch gezeigt, dass Joint Audits zu keinen wesentlichen Mehrkosten führen.

EU: Einheitliches Framework

Mit der Reform wurde erstmals ein einheitliches Framework für die EU geschaffen. Auch werden damit die Transparenz und das Vertrauen in die Kapitalmärkte gestärkt sowie die finanzielle Stabilität gefördert. Die Auswirkung der Reform auf die Schweiz beschränkt sich zurzeit auf hiesige Unternehmen, deren EU-Tochtergesellschaften sich als PIE qualifizieren, sowie auf Schweizer Unternehmen, die von einer EU-PIE gehalten werden. Schweizerische und europäische Unternehmen wie auch das öffentliche Interesse werden nichtsdestotrotz von dieser Reform profitieren können, da sie auf der Grundlage gemeinsamer Werte wie Governance oder Transparenz basiert.

Offensichtlich ist eine regulatorische Verwaltung nicht alles. Um die Ziele zu erreichen, muss mit Behutsamkeit und Entschlossenheit und gemeinsam mit allen Beteiligten eine Lösung implementiert werden – und alle Akteure müssen dazu beitragen. In der Schweiz bleibt offen, wie sich das Framework entwickelt und ob die Schweiz eine Insellösung anstrebt oder sich bezüglich der Reform für PIE dem europäischen Framework annähert oder anschliesst.

Cyprian Bumann, dipl. Wirtschaftsprüfer,
Mazars AG, Zürich.

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