Mehr Glaubwürdigkeit

handelszeitung | Nr. 6 | 5. Februar 2015

Sustainability - Mit einem neuen Prüfansatz lässt sich ein nachhaltiger Unternehmenserfolg erzielen.

Das Thema Nachhaltigkeit hat in den letzten Jahren bei vielen Unternehmen stark an Bedeutung gewonnen. Auch die Wirtschaftsprüfer und Beratungsunternehmen engagieren sich zunehmend in diesem Bereich. Hierbei wird der Fokus besonders auf die Erbringung von Beratungs- und Prüfungsdienstleistungen zum Thema Nachhaltigkeit (Sustainability) und Einhaltung der Menschenrechte (Human Rights) respektive auf die Entwicklung von Standards zur Prüfung gelegt. Bis heute sind allerdings Nachhaltigkeitsziele häufig weder richtig verankert noch ein expliziter Bestandteil der Unternehmensstrategie. Die EU verabschiedete im Oktober 2014 eine Richtlinie betreffend der Pflicht einer nicht finanziellen Berichterstattung für börsenkotierte Unternehmen und Finanzinstitute mit mehr als 500 Mitarbeitern. Demnach sollen Unternehmen im Geschäftsbericht Angaben über ihre Strategien, Risiken und Ergebnisse in Bezug auf ökologische, soziale und mitarbeiterbezogene Aspekte, über die Wahrung der Menschenrechte, über Antikorruption und Bestechungsvorfälle sowie über Diversity anfügen. Allerdings besteht bis dato keine Verpflichtung für Unternehmen, die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie und den Inhalt der nicht finanziellen Berichterstattung von einem unabhängigen Dritten prüfen zu lassen. Die EU-Richtlinien sehen lediglich vor, dass Abschlussprüfer und Prüfgesellschaften nur überprüfen, ob die nicht finanzielle Erklärung oder der gesonderte Bericht vorgelegt wurde. In der Schweiz basiert die Publikation von Nachhaltigkeitsberichten derzeit noch auf Freiwilligkeit. Unternehmen können aber eine Prüfung in Erwägung ziehen.

 Keine Prüfpflicht

Die Prüfung der Wertschöpfungskette bedarf eines zukunftsgewandten und umfassenden Prüfungsansatzes. Aber wie könnte die Prüfung in der Praxis funktionieren? Zu Demonstrationszwecken Schauen wir exemplarisch auf eine Lieferantenkette: Die Evaluierung gemäss Einhaltung von Menschenrechten von neuen Lieferanten müsste als Teil der Unternehmensstrategie angesehen werden. Dabei wird geprüft, ob bei den Zulieferbetrieben ähnliche Nachhaltigkeitsstrategien, -prozesse und -kontrollen verankert sind und wie effektiv diese funktionieren. Dementsprechend überprüft der Lieferant wiederum seinen Lieferanten und so weiter. Der Auftraggeber muss auch die Möglichkeit haben, seine Zulieferer unangekündigt zu besuchen sowie zu überprüfen. Ebenfalls sollte die systematische Erfassung von Betrieben, mit welchen keiner der Zulieferer zusammenarbeiten darf, gewährleistet sein und regelmässig kommuniziert werden. Dieser proaktive Ansatz steht im Gegensatz zum heutigen reaktiven Handeln. Um eine solche Umsetzung zielgerichtet prüfen zu können, bildet die Zusammensetzung der Teams eine wesentliche Rolle. Beispielsweise ist in asiatischen Ländern de Hemmschwelle, sich negativ über etwas zu äussern, deutlich höher als in den westlichen Industrienationen. Um diesen kulturellen Unterschieden gerecht zu werden, sollten die Teams aus lokalen und auswärtigen Mitarbeitern zusammengesetzt werden. So können beispielsweise Mitarbeiter, welche nicht aus dem überprüfenden Land kommen, Befragungen durchführen, während die einheimischen Prüfer bei ihrer Tätigkeit durch kulturelle Gegebenheiten beeinträchtigt werden könnten. Eine Prüfung von Nachhaltigkeitsaspekten, insbesondere die der Human Rights, bringt einen hohen Kundennutzen mit sich. Dazu gehört nicht nur die Reduktion der Reputationsrisiken, sondern auch die Erhöhung der Glaubwürdigkeit gegenüber den Stakeholdern, genauso wie die Analyse, Gestaltung und Entwicklung der Unternehmenskultur. Des Weiteren lassen sich auch Geschäftsrisiken gezielt erkennen und steuern, Leistungspotenziale können besser genutzt und eine nachhaltige Produktion kann gewährleistet werden. Dieselben Schlussfolgerungen gelten unabhängig davon, wo eine Firma tätig ist.

Bestandteil der Corporate Governance

Die Beurteilung und Prüfung durch unabhängige Dritte bietet dem Unternehmen wesentliche Vorteile wie die Erhöhung von Transparenz und Glaubwürdigkeit sowie die Realisierung von Verbesserungspotenzialen entlang der Wertschöpfungskette. Um dieses Potenzial erfolgreich zu nutzen, sollten die Prüfungen regelmässig erfolgen und veröffentlicht werden. Die Implementierung eines erfolgreichen Nachhaltigkeitsmanagements als klassische Aufgabe des Verwaltungsrates ist unabdingbar für den Unternehmenserfolg und Bestandteil einer angemessenen Corporate Governance – und dies gilt natürlich auch für die Wirtschaftsprüfungsunternehmen.

 

Artikel von Beatrice Bartelt, Executive Director Audit, und Caroline Weide, Business Development, Mazars Schweiz, Zürich, Handelszeitung - 5. Februar 2015

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